Mittwoch, 16. Januar 2013

ATTACKE MANDA!!! - Christian Horwath und Martin Rabenlehner sind zu Hause


Sie sind wieder da  - unsere Helden: 




Sehr müde aber mit einem Lächeln im Gesicht sind Chris Horwath - der den sensationellen 6.ten Platz in seiner Klasse gemacht hat - und Martin Johannes Rabenlehner - der Sieger der fünften Etappe - am Freitagmorgen am Flughafen Wien Schwechat gelandet.








Beide haben sie die Wüste besiegt und haben uns kurz Ihre Eindrücke geschildert:

Chris, der diese Strapazen bereits zum zweiten Mal hinter sich gebracht hat, war ebenso erleichtert dieses Abenteuer der Sonderklasse heil überstanden zu haben, wie Martin, der das erste Mal daran teilgenommen hatte und aufgrund von Fieber leider nicht in der Endwertung aufscheint. 

Sie sind bei teils sengender Hitze über 6000 Kilometer durch die Wüste bis ins Ziel am Lac Rose nach Dakar gefahren, beide hatten sie Probleme mit den Bikes, und waren mehr als einmal im Laufe dieser Rallye an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit: 

“Es waren unglaublich hart bis nach Dakar. In Marokko hatten wir am Start in der Früh Minusgrade, und wenige Stunden später hatte es wieder über 30 Grad. Das Material hat auch sehr gelitten, vor allem im Sand. Das war eine Grenzerfahrung”, erzählt Christian.




Martin ergänzt:
“Die ersten Nächte war es wirklich saukalt. Jetzt kommst von der Strecke hundemüde und völlig ausgepumpt ins Lager und bist noch voll von den Eindrücken des Tages. Unruhiger und sehr kurzer Schlaf – manches Mal nicht mehr als zwei Stunden – dazu die Kälte und schon hast Du Dir eine Blasenentzündung geholt. Wir haben alle darunter gelitten. Am nächsten Morgen sitzt Du dann am Bike und zitterst noch von der Kälte in der Nacht und bretterst hinein in die nächste Wertungsprüfung. Und dann hat es mich erwischt: Fieber und alles was da noch dazu kommt. Das war schlimm.“





Aber sie haben sich immer wieder aufgerichtet, ihren inneren Unwillen bezwungen und neue Kräfte mobilisiert um sich der neuen, vielleicht noch größeren Herausforderung als am Tag davor zu stellen.
Erfahren haben wir auch, dass man sich auf diese Rallye eigentlich nur bedingt vorbereiten kann.  Denn nicht nur fahrerisches Können und das beste Material  sind ausschlaggebend, sondern auch eine gehörige Portion an Selbstüberwindung, Selbstmotivation und vor allem eiserne Disziplin.

Es sind  die ersten Nächte in Marokko bei Minusgraden, in welchen man die ganze Nacht friert und wenn überhaupt zu maximal 2 Stunden Schlaf kommt. Die Anspannung vor der kommenden Etappe, wo man äußerst konzentriert fahren muss, weil eine Sekunde nicht konzentriert sein einen Unfall bedeuten kann. 
Darauf kann man sich nicht vorbereiten, da muss man funktionieren und sich immer wieder selbst motivieren von Navigationspunkt zu Navigationspunkt. 
Von der Landschaft, den Impressionen, die uns Fans faszinieren, bekommt man als Fahrer selbst nichts mit, die vom Außenstehenden wahrgenommene unendliche Weite der Wüste reduziert sich für den Fahrer selbst auf tausende und abertausende Kubikmeter niemals enden wollenden, aber  zu bezwingenden Sand. 




Martin dazu:
„Das war immer wie ein schlechter Scherz: Auf den ersten Seiten des Roadbooks hast da immer stehen gehabt: ‚You will see beautiful landscapes…‘ – dabei hast da keine Zeit die Landschaft zu genießen…“




Vergräbt sich das Motorrad in dieser Naturgewalt, dann wird es nur nach extremster Anstrengung des Fahrers wieder vom „Sandhaufen“ freigegeben. 
Und wenn das ein paar Mal am Tag passiert, dann sind die Kraftreserven sehr rasch am Ende.




Christian: „Das ist brutal, wenn du ein paar Mal hintereinander mehr als 160 kg aus dem Sand ziehen musst. Oder als mir die Elektrik ausgefallen ist, das hat mir die letzte Kraft gekostet: da musst das Bike mit dem Kickstarter anwerfen. Nach mehr als einer halben Stunde ist es dann angesprungen – und dann musst auch noch ohne Licht in stockdunkler Nacht und nur mit einer kleinen Lampe am Helm die Strecke bis ins Biwak fahren.“

Ich frage Ihn: „Wieso hast Du Dich bei dem Defekt am Hinterrad nicht vom Heli holen lassen?“
(Anmerkung: Christian hat stundenlang auf Hilfe gewartet – mitten in der Wüste bei Minusgraden.)





Christian: „ich hab mein Bike nie verlassen . schau: wenn Du Dich vom Heli holen lässt, dann nimmt der nur Dich mit. Das Bike bleibt in der Wüste stehen, bis der „Lumpensammler“ es aufnimmt. Und die fahren dann, wenn Du Pech hast, gleich bis in das übernächste Lager. Die fahren nur einen 10er-Schnitt, sind also zeitlich völlig ausgelastet und können gar nicht jedem das Bike ins nächste Lager nachbringen. Also habe ich gewartet und bin selbst mitgefahren – sonst wäre ich zwei oder mehr Tage ausgefallen.“


Die Rally hat noch viele andere Tücken: lange und schnelle steinige Passagen die höchste Aufmerksamkeit erfordern, weil sie von Schlaglöchern und Felsbrocken durchwachsen sind. Eine kleine Unkonzentriertheit reicht hier um unfreiwillig bei hohem Tempo das Bike zu verlassen. Und ein Sturz in so einer Passage zieht auf jeden Fall gröbere Verletzungen nach sich. 




Als wir das ansprechen, grinst Christian und zieht sein Hosenbein ein Stück in die Höhe: darunter kommt ein dunkelblau „blühender“ Bluterguss zum Vorschein. 
„Da ist mir bei einem Salto in den Dünen das Bike voll draufgeknallt.“, sagt‘s und grinst.

Gibt es Komplikationen mit dem Motorrad, dann steht man alleine im Nichts und  kämpft sich  langsam zum Etappenende, oft in der Dunkelheit – denn in der Wüste ist es, als würde ein Schalter zwischen Tag und Nacht umgelegt werden, da gibt es keine Dämmerung. Dann Ankunft im nächsten Biwak, dort fällt man am Ende seiner körperlichen Kräfte ins Zelt und hat wieder nur wenige Stunden Zeit sich für den nächsten Tag, die nächste Etappe, die nächste Challenge. Man hofft nur, dass die Mechaniker den Schaden am Bike bis zum nächsten Tag reparieren können. 







Und kaum hat man diesen Gedanken zu Ende gedacht – ist schon der nächste Morgen da und die nächste Herausforderung steht schon am Programm. 
Beide beschreiben sie Einzelerlebnisse, die  für sie besonders prägend waren, die Situationen in denen sie alles hinschmeißen wollten, was sie dazu veranlasst hat, doch weiter zu machen - doch auf die Frage, ob sie im kommenden Jahr wieder  fahren werden, kommt ohne nur eine Sekunde nachzudenken ein klares „Aber sicher!“.




Wenn man die beiden Helden jetzt frägt, ob sie sich nach dieser Challenge ein paar Urlaubstage gönnen werden, sagen sie beide, dass sie ja jetzt zwei Tage zum Ausrasten hatten und sich jetzt wieder mit Vollgas ihrem Brotjob widmen werden.

Das ist eine Frage der Disziplin – und die haben unsere beiden Helden!
Wir sind sehr stolz auf die beiden – und werden sie, sobald sie sich ein bisschen erholt haben - genauer befragen  und  mit Bildern unterlegt von Ihren Abenteuern und Detaileindrücken berichten!

PS: Am Freitag, 18.01.2013 gibt's ab 19 Uhr im Café Corso in Graz eine Willkommensparty! Wer Lust hat: einfach vorbeikommen!

Hier gitb's auch tolle Berichte:

http://www.1000ps.at/racingbericht-2356663-6_beim_Africa_Race

und

http://www.enduro.de/chris-horwath-unter-den-top-10-bei-der-rallye-dakar-9722/

Stay tuned!

Keine Kommentare:

Kommentar posten